Bignia Corradini

Die Sammlung der »Quader«

Neben den großen Leinwandbildern, die bis heute den Schwerpunkt meiner Arbeit ausmachen, entstanden seit 1992 kleine bemalte Holzquader. Ich nannte sie »Winzlinge«. Ihre Tiefe war durchgehend 3,5 cm in fünf verschiedenen Formaten: 12 x 12 cm, 15 x 15 cm, 18 x 15 cm, 17 x 13 cm und 19 x 21 cm.

Ab 1995 wurde der objekthafte Charakter verstärkt, indem die Tiefe der Bildobjekte auf 6, 9, 12, 15, 18, 24 und 32 cm erweitert wurde.

Das ganze Projekt besteht heute aus mehr als 200 bemalten Quadern.

Kaleidoskopartig wird ein Spektrum zwischen Ungleichem und Ähnlichem hergestellt. Wie lässt sich dieser Spannungsbogen noch erweitern? Ein offenes Werk.

Manche Quader sind vergleichbar mit einzelnen Elementen in den Leinwandbildern. In jedem Raum kann ich sie unterschiedlich anordnen. Räumliche Körper stehen sich gegenüber. Ich verbinde sie, setze sie zueinander. Gruppen fügen sich zusammen und variable Ordnungen entstehen. In ihren farblichen Entsprechungen, der Art der Bearbeitung – ihrer Struktur zeigen sich Nachbarschaften und Gegensätze. Ein Unterschied beinhaltet auch ein Verhältnis. Hier sieht man die Holzstruktur eines Quaders unter transparenter, wasserblauer Farbe, dort ist ein anderer pastos und festgefügt bearbeitet. Durch die weiße Wand zwischen den Quadern zeigen sich variable Zwischenräume.

Beim Malen werden die Bewegungsabläufe über die Ecken und Kanten der Holzquader fortgeführt oder daran gebrochen. Wenn ein Quader hoch oben an der Wand befestigt ist, bricht eine Seite im neunzig Gradwinkel ab und wird unsichtbar. Farbbänder führen über die Kanten hinweg, bleiben dort stehen, kommen nicht weiter, stagnieren oder tun so, als ob kein Widerstand sei – überspringen mehrere Quader und … werden vielleicht fortgeführt. Dieser Bewegungsablauf kann in derselben Farbe, einer ähnlichen oder ganz anderen wieder aufgenommen werden. Durch Analogien zwischen den Quadern stellt das Auge Verbindungen her und wandert von Gelb auf einmal zu Blau. Zum Beispiel lassen sich Quader mit unterschiedlichen Gelbanteilen durch den Farbzusammenhang auf der Wand langsam steigern und viele davon ergeben ein helles Feld.

In einer Ausstellung stehen hier einige dunkelblaue Quader mit weißen Linien, während dort Kontraste als Gegenüberstellung erscheinen. Bewegungsabläufe führen über viele Quader hinweg, irgendwo hin und verschwinden dann ganz.

Treffen in der Ecke eines Raumes zwei Quader direkt aufeinander, bleiben manche Bereiche verborgen. Zwei Quader schließen sich mit der Wand zusammen.

1999 fügte ich schon bestehende einzelne Quader fest zusammen, so dass je eine Seite verschwindet und sich eine neue Einheit bildet.

An einem ockerfarbenen Quader bezeichnet eine blaue flachgestrichene Fläche die Trennung zwischen ihm und der Wand. Da steht der Quader an der Wand und ragt in den Ausstellungsraum hinein.

In einem anderen Schritt wurde eine Seite der Quader offen gelassen. So entsteht ein Innenraum. Ich reduzierte die Farbgebung. Der Charakter dieser Arbeiten macht sie zu Einzel-stücken. Diese Ergebnisse sind nicht mehr im Schwarm oder in der Gruppe denkbar, vielleicht in einer Reihe, zu zweit oder zu dritt, wenige, einzeln.

© Bignia Corradini, Berlin

 

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